Wer an der Refinanzierung spart, gefährdet Pflegebedürftige

Der Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland (VKAD) übt deutliche Kritik am Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit

Pflegerin beim Blutzuckermessen. Foto: Deutscher Caritasverband / Julia Steinbrecht, KNA

Der Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland (VKAD) schlägt Alarm: Geplante Änderungen aus dem Bundesgesundheitsministerium könnten ausgerechnet ambulante Pflegedienste treffen, die ihre Mitarbeitenden nach Tarif bezahlen. Vorgesehen ist, die vollständige Refinanzierung von Tariferhöhungen in der häuslichen Krankenpflege und Haushaltshilfe abzuschaffen.

Für viele Dienste würde das spürbaren finanziellen Druck bedeuten. Dabei sind sie ein zentraler Pfeiler der Versorgung: Sie ermöglichen pflegebedürftigen Menschen, zuhause zu leben, übernehmen wichtige medizinische Aufgaben und helfen, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.

Besonders kritisch: Vor allem tarifgebundene Einrichtungen könnten ins Hintertreffen geraten – also genau die Träger, die für faire Bezahlung stehen. In einer ohnehin angespannten Fachkräftesituation wäre das ein problematisches Signal.

Mehr als 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden zuhause versorgt. Dennoch lag der Anteil der Ausgaben für die häusliche Krankenpflege 2024 bei nur 3,39 Prozent.

Barbara Dietrich-Schleicher, Vorsitzende des VKAD, sagt: „Tarifgebundene Pflegedienste haben jahrelang dafür gekämpft, dass Tarifsteigerungen anerkannt werden. Diese Grundlage jetzt wieder zu entziehen, ist nicht nachvollziehbar. Wer Tariflohn in der häuslichen Pflege will, muss auch die Refinanzierung sichern.“

Tobias Berghoff, Vorstand des Caritasverbands Paderborn und stellv. Vorsitzender des VKAD ergänzt: „Ambulante Pflege stabilisiert das gesamte Gesundheitssystem, weil sie Krankenhausaufenthalte vermeidet. Einsparungen an dieser Stelle sind kurzsichtig und werden langfristig zu höheren Kosten und schlechterer Versorgung führen.“

Der VKAD fordert daher, die Tarifrefinanzierung im weiteren Verfahren beizubehalten.