20 Jahre KiSuFa

Fachtag rückt Kinder aus suchtbelasteten Familien in den Mittelpunkt

v.l.n.r. Dominik Neugebauer und Dr. Eva Brockmann (beide Bereichsleitung Soziale Dienste), Christine Isermann und Brigitte Dierkes (beide Leitung KiSuFa) sowie Prof. Dr. Rita Hansjürgens

Im Forum St. Liborius wurde am 24. April das 20-jährige Bestehen von KiSuFa, der Gruppe für Kinder aus suchtbelasteten Familien, mit einem Fachtag gewürdigt. Gemeinsam mit Fachkräften aus der Sozialen Arbeit, Kooperationspartnern sowie angehenden Fachkräften wurde dabei vor allem eines deutlich: Die Lebensrealität der betroffenen Kinder braucht mehr Aufmerksamkeit, Verständnis und verlässliche Unterstützung.

Zum Einstieg machte Dominik Neugebauer, Bereichsleitung Soziale Dienste, die Dimension des Themas deutlich. Unter dem Titel „Wenn ich lieb bin, hört Mama auf zu trinken“ gab er einen eindrücklichen Einblick in die Perspektive der Kinder. In Deutschland wachsen rund drei Millionen Kinder in Familien mit mindestens einem suchtbelasteten Elternteil auf – das entspricht etwa jedem vierten bis fünften Kind. Auch im Kreis Paderborn sind schätzungsweise rund 10.000 Kinder betroffen.

Seit 20 Jahren begleitet KiSuFa unter der Leitung von Christine Isermann und Brigitte Dierkes Kinder im Alter von 7 bis 11 Jahren einmal pro Woche über einen längeren Zeitraum. Im Mittelpunkt steht dabei ein geschützter Raum, in dem die Kinder Stabilität erleben, Vertrauen aufbauen und ihre eigenen Stärken entwickeln können.

Ein inhaltlicher Schwerpunkt des Fachtages war der Vortrag von Prof. Dr. Rita Hansjürgens zu Wirkungsmodellen in der Sozialen Arbeit. Sie zeigte auf, wie wichtig die Verbindung von Theorie und Praxis ist und dass fachliche Konzepte immer wieder an der konkreten Lebensrealität der Kinder gespiegelt und weitergedacht werden müssen.

Im Anschluss wurde es im Live-Podcast sehr praxisnah, denn Dr. Eva Brockmann (Bereichsleitung Soziale Dienste und Leitung der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche), Christine Isermann, Dominik Neugebauer sowie Prof. Dr. Rita Hansjürgens sprachen über die konkrete Arbeit der Gruppe. Dabei ging es unter anderem um den Ablauf der Treffen, die Bedeutung verlässlicher Beziehungen und die Frage, wie die Zusammenarbeit im Hilfenetz Kinder nachhaltig stärkt.

Dominik Neugebauer fasste schließlich zusammen: „Nach 20 Jahren Gruppenarbeit und vielen Veranstaltungen zeigt sich, dass die Thematik ‚Sucht innerhalb der Familie‘ immer wieder bewusst in die Diskussion geholt werden muss. Die Lebenswelt der Kinder ist real und muss besprechbar sein.“ Einen besonderen Abschluss bildete das interaktive Theaterstück „nicht ohne“ der Theatergruppe Theater Exil, das sich kreativ und eindrücklich mit Sucht, Abhängigkeit und Lebensbewältigung auseinandersetzte und das Publikum aktiv einbezog.