20 Jahre KiSuFa: Fachtag rückt Kinder aus suchtbelasteten Familien in den Fokus

Im Forum St. Liborius wurde am Freitag das 20-jährige Bestehen der Gruppe für Kinder aus suchtbelasteten Familien (KiSuFa) mit einem Fachtag gefeiert.

v.l.n.r. Die Bereichsleitungen Soziale Dienste Dominik Neugebauer und Dr. Eva Brockmann mit Gruppenleitun-gen KiSuFa Christine Isermann und Brigitte Dierkes sowie Prof. Dr. Rita Hansjürgens

Zahlreiche Fachkolleg*innen, Sozialarbeiter*innen in Ausbildung sowie Kooperationspartner aus Schule, Kinder- und Jugendhilfe kamen zusammen, um sich über die Situation betroffener Kinder sowie die Bedeutung langfristiger Unterstützungsangebote auszutauschen.

Seit 20 Jahren begleitet KiSuFa unter der Leitung von Christine Isermann und Brigitte Dierkes Kinder im Alter von sieben bis elf Jahren einmal wöchentlich über mindestens ein Jahr hinweg. Ziel der Gruppenarbeit ist eine langfristige Stabilisierung und Stärkung der Kinder.

Unter dem Titel „Wenn ich lieb bin, hört Mama auf zu trinken“ machte Dominik Neugebauer (Bereichsleitung Soziale Dienste) die Dimension des Themas deutlich und schilderte die Perspektive betroffener Kinder. Dabei betonte er, dass es sich keineswegs um Einzelfälle handele: Rund drei Millionen Kinder in Deutschland – etwa jedes vierte bis fünfte Kind – wachsen in Familien mit mindestens einem suchtbelasteten Elternteil auf. Für den Kreis Paderborn bedeutet dies etwa 10.000 betroffene Kinder. Gleichzeitig gilt das Aufwachsen in suchtbelasteten Familien als einer der größten Risikofaktoren, später selbst eine Suchterkrankung zu entwickeln. 

Prof. Dr. Rita Hansjürgens (Professorin für Handlungstheorien und Methoden Sozialer Arbeit und Allgemeiner Pädagogik und Beraterin der Gruppe KiSuFa) brachte die wissenschaftliche Perspektive mit einem Fachvortrag zu Wirkungsmodellen und deren Einfluss auf die praktische Arbeit in der Sozialen Arbeit ein. Sie vermittelte einen Einblick in die Verbindung von Theorie und Praxis und machte deutlich, dass entscheidend dabei sei, theoretische Ansätze immer wieder anhand der Lebensrealität der betroffenen Kinder zu überprüfen. 

Im anschließenden Live-Podcast diskutierten Dr. Eva Brockmann (Bereichsleitung Soziale Dienste und Leitung der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche), Christine Isermann (Leitung der Gruppe KiSuFa), Dominik Neugebauer sowie Prof. Dr. Rita Hansjürgens unter anderem die Bedeutung eines stabilen Helfernetzwerks sowie die positiven Auswirkungen auf die Entwicklung und Resilienz der Kinder. Dominik Neugebauer betonte dabei: „Nach 20 Jahren Gruppenarbeit zeigt sich, dass die Thematik ‚Sucht innerhalb der Familie‘ immer wieder bewusst in die Diskussion geholt werden muss. Die Lebenswelt der Kinder ist real und muss enttabuisiert werden. Die Gruppe ermöglicht nicht nur ein stabiles Umfeld für die Kinder, sondern sensibilisiert auch das Hilfenetz aus den Kooperationspartnern Schule, Kinder- und Jugendhilfe sowie Stadt und Kreis Paderborn, um Unterstützungsmöglichkeiten weiter zu verbessern.“ 

Einen besonderen Abschluss bildete das interaktive Theaterstück „nicht ohne“ der Theatergruppe Theater-Exil. Das Stück setzte sich intensiv mit Sucht, Abhängigkeit und dem Versuch auseinander, das Leben zu meistern, und bezog die Zuschauer*innen aktiv in das Geschehen ein. 

Der Fachtag machte zugleich deutlich, wie wichtig der Erhalt solcher Angebote insbesondere in Zeiten sozialer Kürzungen ist. Die kontinuierliche Begleitung der Kinder über einen langen Zeitraum hinweg sei ein zentraler Faktor für die Wirksamkeit der Gruppenarbeit. Umso bedeutender sei die Verlässlichkeit der Strukturen, feste Ansprechpartner*innen und ein geschützter Raum, in dem sie Vertrauen entwickeln und über ihre Erfahrungen sprechen können. Christine Isermann hob hervor: „Das Allerwichtigste für diese Kinder ist die Stabilität der Gruppe, um langfristig resilient zu werden.“ Sie betonte zudem, dass die Kinder durch die regelmäßigen Treffen erfahren, dass sie mit ihren Sorgen nicht allein sind. Die Gruppe stärke Selbstvertrauen, soziale Kompetenzen und die Fähigkeit, mit belastenden Situationen umzugehen – wichtige Grundlagen für eine gesunde Entwicklung und einen besseren Schutz vor möglichen eigenen Suchterkrankungen.


Über den Caritasverband Paderborn e.V.

Der Caritasverband Paderborn e.V. ist Ansprechpartner für Menschen in unterschiedlichsten Lebenslagen. Unter dem Dach des Verbandes  werden 47 Fachdienste und Einrichtungen betrieben. Dazu gehören ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen, Beratungsdienste für Eltern, Kinder und Jugendliche, Suchtkranke, Migranten, verschuldete Personen sowie Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe bis hin zu Offenen Ganztagsschulen.

Beate Lischka

Unternehmenskommunikation

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