Freie Wohlfahrtspflege NRW warnt vor Folgen für die ambulante Pflege

Geplante Gesetzesänderungen könnten die ambulante Pflege schwächen und Versorgungslücken verursachen.

Tobias Berghoff (Vorstand Caritasverband Paderborn e.V.) über die geplanten Reformen

In Nordrhein-Westfalen sind mehr als 1,4 Millionen Menschen pflegebedürftig. Rund 88 Prozent von ihnen werden zu Hause versorgt. Die ambulante Pflege ist damit ein zentraler Bestandteil der Gesundheitsversorgung im Land. Die Freie Wohlfahrtspflege NRW (LAG FW NRW) sieht die ambulante Pflege durch die geplante Reform der gesetzlichen Krankenversicherung jedoch massiv gefährdet. Nach den aktuellen Plänen der Bundesregierung soll die tarifliche Refinanzierung von Leistungen nach dem Fünften Sozialgesetzbuch (SGB V) entfallen. Betroffen wären unter anderem ärztlich verordnete Leistungen wie Wundversorgung, Kompressionsverbände oder Blutzuckermessungen.

Die Wohlfahrtsverbände befürchten, dass ambulante Pflegedienste dadurch wirtschaftlich unter Druck geraten. Gleichzeitig könnte sich der Fachkräftemangel verschärfen, wenn Beschäftigte in besser abgesicherte Bereiche wie Krankenhäuser oder stationäre Pflegeeinrichtungen wechseln.

„Wer die tarifliche Refinanzierung infrage stellt, gefährdet faire Arbeitsbedingungen und die verlässliche Versorgung der Menschen“, erklärt Kirsten Schwenke, Vorsitzende der LAG FW NRW.

Nach Ansicht der Verbände drohen Versorgungslücken, wenn ambulante Dienste Leistungen einschränken oder einstellen müssen. Die Freie Wohlfahrtspflege NRW fordert deshalb, an der tariflichen Refinanzierung festzuhalten und notwendige Reformen nicht zulasten von Beschäftigten, Versorgungsqualität und Versorgungssicherheit umzusetzen.