Suizidprävention: Begleitung auf Augenhöhe

D Die Peers von [U25] mit Carsten Linnemann (2. Reihe links), Diözesan-Caritasdirektor Josef Lüttig (vorne rechts) sowie Friedhelm Hake und Patrick Wilk vom Caritasverband Paderborn (hinten von links) ie Zukunft der Online-Suizid-Prävention [U25] ist gesichert, nachdem der Bundestag eine Förderung bis 2021 sichergestellt hat. Die Paderborner [U25]-Beratung erhält in den kommenden drei Jahren 140.000 Euro. Mitarbeitende, Initiatoren und Unterstützer von mehreren [U25]-Standorten in Deutschland trafen sich jetzt in Paderborn – unter ihnen der heimische Bundestagsabgeordnete Dr. Carsten Linnemann, der als einer der wichtigsten Förderer des Projekts im Bundestag gilt.

Wie kritisch es bereits um den Fortbestand von [U25] stand, machte Jakob Henschel deutlich. Als Referent, der beim Deutschen Caritasverband in Freiburg für das bundesweite Suizidpräventionsprojekt zuständig ist, hat er erlebt, dass einige Standorte um ihre Existenz bangen mussten. Die [U25]-Niederlassung in Dresden hatte bereits geschlossen.

Erst als der Bundestag eine Finanzierung von 1,5 Millionen Euro für drei Jahre bereitstellte, war die Gefahr gebannt. Auch Dresden arbeitet mittlerweile wieder. Der Entscheidung im Bundestag sei zu einem großen Teil den Bemühungen von Carsten Linnemann und dessen Mitarbeitern zu verdanken, betonte nicht nur Henschel bei dem Treffen in Paderborn.

Den Paderborner Standort von [U25] gibt es seit September 2015. Die zehn [U25]-Beratungen in Deutschland, davon drei in Nordrhein-Westfalen, arbeiten überall nach dem gleichen Konzept. Jugendliche „Peers“ begleiten ehrenamtlich Jugendliche und junge Erwachsen bis 25 Jahre, die in einer Krise stecken und oft Suizidgedanken hegen. Der Kontakt kommt per E-Mail geführt.

Betreut wird die Paderborner [U25]-Beratung von der Sozialarbeiterin Carolina Groppe. Sie sieht jede Mail, die bei den Peers eingeht oder versendet wird, und unterstützt die Peers bei den Beratungen. Die Gruppe von zurzeit 28 Peers trifft sich vierzehntägig, alle ehrenamtlichen Mitarbeitenden haben eine mehrmonatige Schulung durchlaufen.

[U25] hat sich bewährt, weil es eine an das Alter angepasste Reaktion möglich macht. „Peers“ ist ein Begriff für Menschen gleichen Alters und gleicher Erfahrung. „Man wendet sich lieber an jemand, der aus eigenem Erleben weiß, wie es mir geht“, sagt Carolina Groppe. [U25] verstehe sich deshalb eigentlich nicht als fachliche Beratung, sondern als „Begleitung auf Augenhöhe und altersentsprechend“. 2018 erhielt [U25] den Jugendpreis der Stadt Paderborn.

Die Hilfe für betroffene Jugendliche kommt oft nicht an, weil Beratungsangebote zu „hochschwellig“ sind, sagt Patrick Wilk, Vorstand des Caritasverbandes Paderborn. Der Ortsverband ist Träger von [U25] in Paderborn. Finanziert wurde das heimische Projekt in den ersten drei Jahren vor allem vom Caritasverband für das Erzbistum Paderborn.

Diözesan-Caritasdirektor Josef Lüttig und Friedhelm Hake, Bereichsleiter beim Caritasverband Paderborn, hatten 2015 den [U25]-Standort Paderborn auf den Weg gebracht. „Hier zeigt sich die innovative Gestaltungskraft von Diözesancaritasverband und der Ortscaritas“, sagt Josef Lüttig bei dem Treffen mit Carsten Linnemann.

 

Info
Suizide ist die zweithäufigste Todesursache
bei 15- bis 25-Jährigen

Der Bedarf für [U25] ist unbestritten. 600 junge Menschen sterben jedes Jahr durch einen Suizid. Suizide sind in der Altersgruppe der 15- bis 25-Jährigen die zweithäufigste Todesursache. Im Vergleich bei der Suizidhäufigkeit liegen diese Altersgruppe sogar an der Spitze.

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 1.200 junge Menschen von 234 [U25]-Peers beraten. Der Bedarf ist noch größer. Seit 2005 sind die behandelten psychiatrischen Erkrankungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen um 38 Prozent gestiegen. Vor allem Depression haben deutlich zugenommen. Der Bedarf für [U 25] wird auf diesem Hintergrund zukünftig weiter steigen