Neuer Beratungsdienst für Glücksspielsucht

„Aktionstag Glücksspielsucht“ in Südring: (v.l.) Andree Sake (Marketingleiter Südring), Beraterin Kerstin Kriebel, Sozialdezernent Wolfgang Walter, Beraterin Eva Engelkamp und Dominik Neugebauer (Leitung Suchtkrankenhilfe) Foto: CV Paderborn/Flüter „Der Bedarf an Hilfe und Unterstützung ist groß“, sagt Dominik Neugebauer, Leiter der Suchtkrankenhilfe Paderborn. Seine Einrichtung arbeitet schon seit 2013 als anerkannter Träger von ambulanten Rehabilitationsmaßnahmen im Bereich Glückspielsucht, im Beratungskontext allerdings mit eingeschränkten personellen Kapazitäten. „Bislang erreichten wir nur die Spitze des Eisbergs“, meint Dominik Neugebauer. „Wir gehen von etwas 2000 Glücksspielsüchtigen im Kreis Paderborn aus.“

Hochrechnungen haben ergeben, dass der Spielerverlust umgerechnet auf alle Einwohner Paderborns 122 Euro je Person ergibt. Die Gerätedichte ist hier vergleichsweise hoch. Kommen in Paderborn auf ein Gerät 210 Einwohner, so beträgt das Verhältnis in der benachbarten Großstadt Bielefeld „nur“ 341 Einwohner auf einen Automaten.

Zahlen wie diese haben den Rat der Stadt Paderborn bewogen, das Geld für den neuen Beratungsdienst bereitzustellen. „Wir haben die Initiative ergriffen, weil die Glücksspielsucht ein großes gesellschaftliches Problem ist, das sich durch viele Bereiche zieht“, betont Sozialdezernent Wolfgang Walter. Die wahren Dimensionen dieses Problems würden nicht immer offenbar. Es geht längst nicht mehr Spielautomaten, sondern auch um Sportwetten und Onlinecasinos.

In dem neuen Dienst arbeiten die Sozialarbeiterinnen Eva Engelkamp und Kerstin Kriebel mit einem multifunktionalen Ansatz, um den unterschiedlichen Aspekten der Glücksspielsucht gerecht zu werden. Im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit ist die Präventionsarbeit besonders wichtig. Über alle Altersgruppen erstreckt sich die Beratung und die Vermittlung in ambulante oder stationäre Rehabilitationsmaßnahmen. Das gelingt dank der guten Vernetzung mit anderen Diensten und Einrichtungen sehr gut.

Der neue Beratungsdienst ist angesiedelt in den Räumlichkeiten der Suchtkrankenhilfe des Caritasverband Paderborn im Ükern 13. Die offene Sprechstunde für Betroffene und Angehörige findet immer dienstags von 9-10 Uhr und donnerstags von 14-16 Uhr statt.

 

Zahlen und Fakten Glücksspielsucht

  • 704 aufgestellte Geldspielgeräte an 28 Standorten im Stadtgebiet
    (573 in Spielhallen/ 131 in der Gastronomie)
  • Gerätedichte 1:210 (Bielefeld: 1:341)
  • Spielerverlust im Kreis PB: 18,6 Mil. Euro
    (90% davon in Spielhallen)
  • Spielerverluste pro Einwohner in Paderborn 122 Euro
  • etwa 2000 Glücksspielsüchtigen im Kreis Paderborn
    (geschätzt)

(Bezugsjahr 2016)