Die Rentnerband

Sie sind im Tagespflegehaus St. Elisabeth Freundinnen geworden (v.l.): Waltraud Reick, Angelika Schröder, Theresia Holtkamp und Gertrud Jürgensmeier. Sie sind im Tagespflegehaus St. Elisabeth Freundinnen geworden (v.l.): Waltraud Reick, Angelika Schröder, Theresia Holtkamp und Gertrud Jürgensmeier. CV Paderborn e.V./ Flüter Delbrück/Sudhagen. Die vier Frauen, die sich jeden Dienstag im Tagespflegehaus St. Elisabeth treffen, sind mittlerweile eine verschworene Runde. Dabei wollte keine von ihnen ursprünglich Gast der Tagespflege werden.

Gertrud Jürgensmeier (94) und Waltraud Reick (79) stecken die Köpfe zusammen. Beide feiern im März Geburtstag. Jetzt planen sie das gemeinsame Frühstück, zu dem sie einladen wollen. „Ein Pfund Mett“ will Waltraud Reick mitbringen, außerdem zehn Eier. „Davon machen uns die Mitarbeiterinnen im Tagespflegehaus bestimmt Rührei“, sagt sie. Der Termin für das Geburtstagsfrühstück ist auch schon geklärt. Es soll ein Dienstag sein. Das ist der Wochentag, an dem Gertrud Jürgensmeier und Waltraud Reick ihre neuen Bekannten im Tagespflegehaus St. Elisabeth treffen.

Gertrud Jürgensmeier, Waltraud Reick, Angelika Schröder (86) und Theresia Holtkamp (77) sind gute Freundinnen geworden. Dabei hätten sie sich beinahe nicht kennengelernt, denn keine der vier Frauen wollte anfangs Gast in der Tagespflege St. Elisabeth in Sudhagen werden. Sie haben sich widerstrebend überzeugen lassen: von den Angehörigen, von Caritas-Mitarbeitern oder schlicht von den Umständen.

„Ich wollte das nicht“, erinnert sich Theresia Holtkamp. Aber sie sah ein, dass es alleine zu Hause auch nicht mehr möglich war. Den anderen ist es ähnlich ergangen. Oft ist der Lebenspartner bereits verstorben, die Kinder und Enkelkinder sind bei der Arbeit und in der Schule. Dann bleibt nur das Fernsehen oder die Zeitung. Irgendwann wird auch das langweilig. „Zu Hause ist nichts los“, sagt Gertrud Jürgensmeier.

Der Tag in St. Elisabeth ist eine willkommene Abwechslung. Die Stunden vergehen schnell. Auf das ausgiebige Frühstück folgen Zeitungsrunde und Gymnastik, Denksport und eine Ruhepause nach dem Mittagessen. Zwischendurch besteht die Gelegenheit, die Ereignisse der vergangenen Woche Revue passieren zu lassen. „Hier können wir uns richtig ausquatschen“, sagt Waltraud Reick. Themen sind die eigenen Zipperlein, die Familie oder was sonst noch passiert. Alle vier kommen aus Delbrück, haben hier schon immer oder sehr lange gelebt. Da kennt man Land und Leute.

Auch Angelika Schröder hat zunächst gezögert. Doch dann willigte sie ein, das Tagespflegehaus auszuprobieren. „Nach dem Schnuppertag war alles klar“, sagt sie mit Überzeugung. Jetzt kommt sie sogar an zwei Tagen in der Woche. Die Kosten übernimmt zum größten Teil die Pflegeversicherung. Der Service im Haus wird dennoch hoch gelobt. Die Mitarbeiterinnen sind, so sagt Gertrud Jürgensmeier mit Überzeugung, alle „super“.

Entscheidend aber ist, dass die Frauen im Tagespflegehaus selbst Spaß daran haben, unter Leuten zu sein und etwas zu unternehmen – so wie beim Geburtstagsfrühstück. Ob es tatsächlich Mett geben wird, muss die Küche noch klären, ansonsten steht der Feier nichts im Wege. Waltraud Reick freut sich jetzt schon, dass sie im Tagespflegehaus auch als Gastgeberin für ihre neuen Bekannten da sein kann: „Wir sind schon eine tolle Rentnerband.“

 

 

Infokasten

Tagespflege kann für einen oder mehrere Tage in der Woche gebucht werden. Ein Fahrdienst holt die Gäste auf Wunsch morgens ab und bringt sie nachmittags nach Hause. Zum Angebot gehören drei Mahlzeiten am Tag, pflegerische Betreuung und ein Tagesprogramm. Der Caritasverband Paderborn ist Träger von zwei Einrichtungen in Delbrück: das Tagespflegehaus St. Elisabeth in Sudhagen und das Tagespflegehaus St. Johannes in Delbrück, das auch samstags geöffnet hat.

Tagespflegehaus St. Elisabeth: 05250/9389195,

Tagespflegehaus St. Johannes: 05250/933919