Die Pflege demonstriert Selbstbewusstsein­­

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Talkrunde im Capitol (v.l.): Andreas Westerfellhaus, Michaela Liu, Moderator Tobias Fenneker, Lydia Storck und Landrat Manfred Müller. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Talkrunde im Capitol (v.l.): Andreas Westerfellhaus, Michaela Liu, Moderator Tobias Fenneker, Lydia Storck und Landrat Manfred Müller. „Die Pflege tanzt“: Mit dieser Aussage hatten die Veranstalter der Paderborner „Nachtschicht“ vor der Veranstaltung am vergangenen Samstag geworben. Tatsächlich war die erste Partygala für Pflegekräfte aus dem Kreis Paderborn mit knapp 900 Partygästen ein rauschendes Fest, bei dem im Paderborner Capitol ausgiebig getanzt wurde. Der eigentliche Anlass, aus dem heraus 13 Einrichtungen und Träger der Pflege gemeinsam eingeladen hatten, kam jedoch nicht zu kurz. Die „Nachtschicht“ war die vorgezogene Feier des „Internationalen Tages der Pflege“, der immer am 12. Mai stattfindet.

Die Pflegebranche im Kreis Paderborn nutzt schon seit einigen Jahren dieses Datum, um öffentlich über sich selbst und die Rahmenbedingungen der eigenen Arbeit zu informieren. Auch die „Nachtschicht“ begann mit einem Gespräch über die aktuelle Lage.

Die Talkrunde war prominent besetzt. Andreas Westerfellhaus, Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung, war vor allem deshalb an einem Samstagabend nach Paderborn gekommen, weil ihn das Format der Veranstaltung interessierte – nämlich der Versuch, ein neues positives Selbstbewusstsein der Pflegenden auszudrücken und das Image der Pflege in der Öffentlichkeit zu verbessern.

Vor allem aber ging es um Gemeinschaft. Die fast 10 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten in einer jungen Branche, die ihre Strukturen immer noch ausbaut. Solidarität über Träger und Einrichtungsgrenzen hinaus zu entwickeln, ist deshalb wichtig. „Nachtschicht“ hat dazu einen Beitrag geleistet. Das Interesse war sehr groß. Schließlich haben sich die großen Träger der ambulanten und stationären Pflege und die Krankenhäuser aus dem Kreis Paderborn zu dem Abend eingeladen.

Kaum hatte die Soulband „Cosmic Club“ die ersten Töne gespielt, war es auf der Tanzfläche drängend voll. Im hinteren Bereich und an den Theken wurde die Chance rege genutzt, Kollegen wiederzutreffen, neue kennenzulernen und sich über die Arbeit auszutauschen. Unter den Gästen konnte man Bürgermeister Michael Dreier entdecken, der noch längere Zeit mitfeierte.

Andreas Westerfellhaus hatte gleich zu Beginn eine Art Bekenntnis abgeliefert. Er kenne keinen so vielseitigen Beruf, der so viele Chancen biete wie die Pflege. Pflege ist aber auch ein Beruf, der persönlich zutiefst erfüllend sein kann, wie die Altenpflegerin Michaela Liu (Caritas) und die Altenpflegerin Lydia Storck (St. Johannisstift) während der einleitenden Gesprächsrunde betonten. Sie habe sich vorgenommen, Menschen immer so zu behandeln, wie sie selbst im Alter behandelt werden wolle, sagte Lydia Storck. Ihre Kollegin Michaela Liu, von Moderator Tobias Fenneker zu ihrer beruflichen Motivation befragt, gab zu Protokoll, das habe sie sich nie überlegt, sie helfe eben gerne.

Die Gesellschaft brauche die Pflege, sagte Landrat Manfred Müller, Schirmherr der kreisweiten Pflegekampagne „Was wirklich wichtig ist“. Die Pflege braucht aber auch die Wertschätzung der Gesellschaft. Deshalb war die „Nachtschicht“ wichtig. „Wenn die Pflege sich selbst nicht feiern könne“, fragte sich Michaela Liu, „warum sollen dann andere auf die Idee kommen, uns Wertschätzung entgegenzubringen?“