Als Leiter einer „Meisterklasse“ nach Moskau

Martin Strätling Martin Strätling ist Sozialarbeiter, Familientherapeut und Traumafachberater. Er leitet den Caritas-Fachmigrationsdienst MiCado und das Psychosoziale Zentrum (PSZ). Das PSZ berät, betreut und therapiert geflüchtete Menschen mit psychischen Problemen.

Die Expertise, die die Paderborner bei seiner Arbeit gewonnen haben, ist offensichtlich auch in Russland gefragt. So wurde Martin Strätling bei dem Deutsch-Russischen Fachforum Leiter von drei „Meisterklassen“ – in Russland werden Workshops mit diesem deutschen Wort bezeichnet.

Vor Fachkräften aus sozialen Berufen, Psychologen und Mitarbeitern der Justiz erläuterte der Paderborner Traumapädagoge den traumatherapeutischen Ansatz der Psycho-Imagination, der besonders gut für die Arbeit mit Kindern geeignet ist. Auch die kollegiale Beratung in „Reflecting Teams“, wie sie im PSZ gehandhabt wird, war neu für die russischen Zuhörer.

Auf viel Aufmerksamkeit stieß die Paderborner Onlineberatung „[U25]“, eine Plattform im Internet, auf der Jugendliche andere Jugendliche unterstützen, die suizidal gefährdet sind. Als Martin Strätling in der Pädagogischen Universität Moskau, wo das Fachforum stattfand, einen Infostand über „[U25]“ aufbaute, war dieser schnell umlagert.

Das Deutsch-Russische Fachforum war eine Veranstaltung im Rahmen der „Petersburger Dialoge“. Das Format dient dazu, Wissenschaftler und Fachleute aus den Ländern zusammenzubringen. Dieser Austausch wirkt in beide Richtungen. So erfuhr Martin Strätling, dass sich russische Traumaexperten vor allem mit den Folgen der Gewalt an Schulen und Amokläufen auseinandersetzen müssen und dabei auf schnelle Reaktion durch Interventionsteams setzen. Strukturelle Gewalt innerhalb von Institutionen oder häusliche Gewalt, die in Deutschland stark im Fokus stehen, sind dagegen in Russland kaum ein Thema – auch wenn Fachleute im Gespräch berichteten, dass auch dort Handlungsbedarf besteht.

Am Abschluss der fünf Tage in der russischen Millionenstadt wurde Martin Strätling zu einem Interview in das Studio von OIRTV eingeladen. Auch das war ein Hinweis darauf, dass der Informationsfluss unter Fachleuten und Wissenschaftlern zwischen Deutschland und Russland nicht abgebrochen ist, wie die politischen Verhältnisse befürchten lassen könnten. Grund genug für weitere Foren gibt es auf jeden Fall, ist Martin Strätling überzeugt: „Die Methodenvielfalt in den beiden Ländern ist riesig.“