„Niemand kann seinen Weg allein gehen“

Gemeinsames Gebet für den Frieden: (vorne, v.l.) Antje Lütkemeier (Ev. Kirche), Verani Kartum (SC Aleviten), Benedikt Fischer (Dechant Dekanat Paderborn), Stefan und Asha Kühnhold (Ananda Marga), Betty Atlassi (Bahá`í), Enim Özel (Schura - Rat der Muslime Paderborn); (hinten, v.l.) Rainer Fromme (Kath. Kirche), Thomas Kemper (Integrationsagentur Caritasverband PB), André Klein (Neuapostolische Kirche) Zum Weltflüchtlingstag haben sich die Teilnehmer des Forums der Religionen auf dem Marienplatz in der Paderborner Innenstadt zum Gebet getroffen: einige Minuten des Innehaltens im Trubel der City. Die Probleme sind so nicht zu lösen. Ein starkes Zeichen ist das multireligiöse Gebet trotzdem.

„Samgacchadhvam samvadadhvam“ singen die Frau im dunkelroten Sari und der Mann im karierten Sommerhemd. Hinter ihnen plätschert der Brunnen an der Mariensäule, vor ihnen sitzen Menschen im Kreis an weißen Tischen und genießen ihr Eis. „Sam vo manamsi janatam“, singen die beiden, unbeeindruckt von der deutschen Cappuccino-Kultur vor ihnen.

Asha und Sushant Kühnhold sind Mitglieder des Forums der Religionen und beten an diesem Tag mit Vertretern von christlichen Kirchen, den Bahai, den Aleviten und den Muslimen gemeinsam an der Mariensäule. Alle mahnen in ihren Gebeten und Texten Toleranz und Menschlichkeit an. Auf dem kreisrunden Platz sind einige aufmerksame Zuhörer zu sehen. Andere Zaungäste bleiben fragend stehen. Was soll das? Und was bringt das?

„Wir wollen ein Zeichen setzen, dass unterschiedliche Religionen und Konfessionen für Frieden einstehen und das auch in den jeweiligen Gebeten zum Ausdruck bringen“, sagt Benedikt Fischer, der Dechant des katholischen Dekanates Paderborn.

Einheit in Vielfalt – das ist das Motto des Forums der­­­­­ Religionen Paderborn, das zu dem Gebet auf dem Marienplatz eingeladen hat. Seit der Gründung 2013 kommen im Forum die unterschiedlichsten Religionsgemeinschaften zusammen – ein Beispiel dafür, wie der inter- und multireligiöse Dialog gelingen kann.

Auch Asha Kühnhold ist von der Kraft des gemeinsamen Gebetes überzeugt. Sie ist Paderbornerin, vor 25 Jahren mit ihrem Mann in die Stadt gekommen. Mit ihm beteiligt sie sich zum ersten Mal am multireligiösen Gebet . Die Kühnholds nehmen wahr, dass Ausgrenzung und Spaltung in Deutschland zugenommen haben. Das hat sie dazu bewogen, auf dem Marienplatz zu beten.

„Niemand kann seinen Weg alleine gehen“, sagt Asha Kühnhold. „Das Individuelle und die Gemeinschaft bedingen einander.“ Schon jetzt ist sie sicher: „Beim nächsten Mal werden wir auf jeden Fall wieder dabei sein.“

 Info

Das multireligiöse (Friedens-) Gebet in Paderborn findet unregelmäßig statt. Fest steht dagegen der Termin der bundesweiten Interkulturellen Woche, die in Paderborn vom Forum der Religionen ausgerichtet wird. Sie findet vom 22. September zum 06. Oktober statt.