„Die Wertschätzung wächst“

Ursula Gisder ist seit Ende 2009 Koordinatorin für den Caritasdienst CariFair. Ursula Gisder ist seit Ende 2009 Koordinatorin für den Caritasdienst CariFair. An den Feiertagen war es auch für Ursula Gisder ruhiger. Die Koordinatorin für das Projekt CariFair im Caritasverband Paderborn ist Ansprechpartnerin für Familien mit einem pflegebedürftigen Menschen und polnische Pflege- und Haushaltshilfen, die in diesen Familien arbeiten. Über den Jahreswechsel sind die meisten der polnischen Frauen nach Hause gefahren. So war das immer in den vergangenen zehn Jahren, seitdem CariFair gegründet wurde.

Es ist ein kleines Jubiläum, auf das Ursula Gisder zurückblicken kann. Sie war vom ersten Tag an dabei, als die Caritas 2009 die ersten Pflege- und Haushaltshilfen aus Polen begrüßte. Mit dem Projekt wollte die Caritas die Möglichkeit schaffen, auf legalem Wege Pflege- und Haushaltshilfen aus Osteuropa einzustellen. In Polen war die Arbeitslosigkeit hoch. Viele Frauen nutzen bis heute die Chance, nach der Familienzeit Geld in Deutschland zu verdienen, allerdings oft in illegalen Arbeitsverhältnissen ohne ausreichende soziale Absicherung und zu geringen Löhnen. Das alles sollte bei CariFair anders werden.

Ursula Gisder stammt selbst aus Polen. 2009 war sie Mitarbeiterin einer Caritas-Sozialstation in Paderborn. Mit ihren Sprachkenntnissen und der Erfahrung in der Pflege war schnell klar, dass sie die geeignete Koordinatorin für den neuen Dienst war. CariFair stelle von Anfang an hohe Qualitätsstandards sicher. Die Familien und die polnischen Mitarbeiterinnen haben in Ursula Gisder eine Ansprechpartnerin, Caritas-Pflegeeinrichtungen wie die Sozialstationen oder Tagespflegehäuser bieten fachliche Unterstützung an.

Das ist gelungen. CariFair hat heute einen guten Ruf. Zuletzt hat die Stiftung Warentest den Caritasdienst positiv bewertete. Auch in Polen haben sich die guten Arbeitsbedingungen bei der Caritas herumgesprochen. „Wir erhalten immer mehr Bewerbungen von überall aus Polen“, sagt Ursula Gisder. Auch aus Deutschland erreichen sie Anfragen – oft von Frauen, die bereits in mehr oder weniger illegalen Beschäftigungen arbeiten und mehr Sicherheit suchen. Die, die bei CariFair arbeiten, kündigen kaum. Einige Mitarbeiterinnen sind seit zehn Jahren dabei, eine, die 2009 am ersten Tag eingestellt wurde, hat mittlerweile in Deutschland geheiratet.

Ursula Gisder holt die Frauen bei ihrer ersten Ankunft in Paderborn vom Bus ab, hilft bei der Unterzeichnung des Arbeitsvertrages und bei der Anmeldung im Einwohnermeldeamt, geht mit zum Finanzamt oder zur Krankenkasse. Sie ist auch dabei, wenn die Pflege- und Haushaltshilfe zum ersten Mal in die neue Familie kommt. Viele Fragten müssen geregelt werden: Wie soll der Haushalt geführt werden, welche Unterstützung und Pflege ist notwendig, wie wohnt die neue Mitarbeiterin?

Die Nachfrage nach den Pflege- und Haushaltshilfen nimmt stetig zu. „Leider können wir den Bedarf nicht immer decken“, bedauert Ursula Gisder. Dennoch ist die Entwicklung positiv. „Die Wertschätzung wächst, je mehr man sich kennenlernt“, sagt Ursula Gisder. „So kommen sich Polen und Deutsche näher.“ Ein Mittel der europäischen Völkerverständigung: Auch das ist CariFair.

Info

256 Klienten wurden seit 2009 allein in Paderborn, Bad Lippspringe, Delbrück, Hövelhof und Borchen durch den Dienst CariFair betreut. Aktuell sind es 38 Familien, in denen 50 Pflege- und Haushaltshilfen arbeiten. Die Frauen haben feste Arbeitsverträge und bleiben langfristig hier. In manchen Familien wechseln sich zwei Mitarbeiterinnen ab, die in der Regel für drei Monate in Deutschland arbeiten und dann drei Monate Pause haben möchten. Ihr Aufgabengebiet ist weit gesteckt: Haushaltführung, Haushaltsreinigung, Kochen, Einkäufe, Körperpflege, Unterstützung im Alltag.