Modellprojekt „Neue Präventionsansätze zur Vermeidung und Reduzierung von Suchtmittelkonsum in Schwangerschaft und Stillzeit“ - 02/2013

Die Vertreterinnen der Projektpartner Die Vertreterinnen der Projektpartner In Deutschland werden jährlich ca. 3.000-4.000 Kinder mit Schädigungen geboren, die auf Alkoholkonsum in der Schwangerschaft zurückzuführen sind. Dazu gehören Entwicklungs-verzögerungen bis hin zur schwersten Schädigungen, die als Fetales Alkoholsyndrom (FAS) bezeichnet werden. Darunter fallen vor- und nachgeburtliche Wachstumsverzögerungen, geistige und emotionale Behinderungen, Schädigungen des Nervensystems, Herzfehler etc.

Folgen von Nikotinkonsum während der Schwangerschaft können Frühgeburten und ein niedriges Geburtsgewicht sein. Eine Neigung zu akuten und chronischen Atemwegserkrankungen, aber auch der plötzliche Kindstod werden als mögliche Konsequenzen des Tabakkonsums in der Schwangerschaft und Stillzeit beschrieben.

Gynäkologen/innen, Hebammen sowie Mitarbeiter/innen anderer Dienste für Schwangere und junge Familien weisen die Schwangeren darauf hin, dass bereits der Konsum geringster Mengen Alkohol oder Nikotin Folgen für ihre und die Gesundheit ihres Kindes haben kann und sprechen Empfehlungen zur Reduzierung oder Abstinenz aus. Bisher gab es aber kein Wissen darüber, ob diese Empfehlungen angenommen und umgesetzt werden.

Es gibt in Paderborn ein gut ausgebautes Hilfesystem. Schwangerschaftsberatungsstellen haben vor allem die Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt im Blick, Suchtberatungsstellen bieten Hilfen bei problematischem Konsumverhalten an. Allerdings arbeiten die beiden Systeme nur selten miteinander. Beratungsstellen in Paderborn haben sich deshalb zum 01.01.2013 dem Modellprojekt „Neue Präventionsansätze zur Vermeidung und Reduzierung von Suchtmittelkonsum in Schwangerschaft und Stillzeit“ des Bundesgesundheitsministeriums angeschlossen, das zu einer besseren Vernetzung der verschiedenen Akteure im Hilfesystem beitragen soll.

„In den beteiligten Schwangerenberatungsstellen werden wir zukünftig Schwangere und junge Mütter mit einem kurzen Fragebogen zu ihrem Konsumverhalten interviewen. Es ist eine gute Gelegenheit, über die gesundheitsschädlichen Auswirkungen zu informieren und Hilfestellung anzubieten.“, so Elisabeth Hake, Mitarbeiterin der Schwangerenberatung des SkF und Projektkoordinatorin in Paderborn.

Weisen die Antworten der Schwangeren darauf hin, dass diese einen als problematisch zu wertenden Konsum von Tabak und/oder Alkohol haben und diesen verändern möchten oder aber – was ebenfalls häufig thematisiert wird – unter dem Suchtverhalten ihrer Partner leiden, werden sie innerhalb kürzester Zeit an eine Suchtberatungsstelle vermittelt.

„Gemeinsam mit den Betroffenen entscheiden wir, welche Hilfen notwendig und gewünscht sind. Wichtig ist uns, akzeptierend und offen zu sein. Unsere Aufgabe ist es nicht, den Schwangeren, ihren Partnern und Familien ein schlechtes Gewissen zu machen, sondern ihnen zu helfen, ihren Konsum im Sinne des ungeborenen Kindes zu reduzieren oder einzustellen“, stellt Veronika Balz, Mitarbeiterin der Suchtkrankenhilfe im Caritasverband Paderborn, fest.

Es gibt vielfältige Gründe, warum es Müttern und Vätern trotz besseren Wissens so schwer fällt, ihren Konsum einzustellen: körperliche und psychische Abhängigkeit durch jahrelangen Konsum, belastete Lebensverhältnisse, ein Umfeld, das Abstinenz eher belächelt als unterstützt. Es hilft nicht weiter, die Betroffenen zusätzlich auszugrenzen und zu stigmatisieren, sondern sie müssen verbindliche und verlässliche schnelle Hilfe erhalten, wenn sie dazu bereit sind, ihren Konsum zumindest zu reduzieren.

Im Weiteren werden im Projekt neue Wege der Unterstützung der Erziehungskompetenzen für Mütter mit Kindern mit evtl. Schädigungen durch den Alkoholkonsum in der Schwangerschaft angeboten.

In den vergangenen Wochen haben die Projektpartner an einer Fortbildung zur Motivierenden Kurzintervention teilgenommen, ihre Arbeit miteinander abgestimmt und mit der Umsetzung des Modellprojektes begonnen. Zum Ende des Jahres erfolgen eine Auswertung und Absprachen zur weiteren Zusammenarbeit.

Die Projektpartnerinnen:

Sozialdienst katholischer Frauen e.V. (SkF)

Schwangerschaftsberatung

Tel 05251 12196-13

 

donum vitae e.V. Paderborn

Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle

Tel 05251 3982750

 

Kreis Paderborn / Gesundheitsamt

Beratungsstelle für Familienplanung und Schwangerschaftskonflikte

Tel 05251 308-251

 

Suchtkrankenhilfe im Caritasverband Paderborn e.V.

Beratungsstelle für Alkohol und sonstige Suchtfragen

Tel 05251 87722-21

 

LWL-Klinik Paderborn

Suchtmedizinische Ambulanz

Tel 05251 295-241

 

KIM Soziale Arbeit e.V.

B2 – Streetwork

Tel 05251 27298

 

Ausbildungsstätte Haus Widey

Mutter-Kind-Bereich

Tel 05258 987-3