Suchtkrankenhilfe warnt von Alkohol am Steuer – „Kein Grund zur Verharmlosung“

Appell an die Zivilcourage: Veronika Balz (Mitte), Valentina Beckin und Dominik Neugebauer von Suchtkrankenhilfe warnen vor Alkohol am Steuer. 444 Menschen mit einem Alkoholproblem haben im vergangenen Jahr die Beratung der Paderborner Beratungsstelle für Alkohol und sonstige Suchtfragen (BASS) aufgesucht – ein Dienst der Suchtkrankenhilfe. „Auch im Bereich Alkohol-Prävention haben wir intensiv gearbeitet“, sagt Einrichtungsleiter Dominik Neugebauer. Valentina Beckin, Fachkraft für Suchtprävention, setzt auf frühzeitige Sensibilisierung und Aufklärung.

Die Klientel der Suchtkrankenhilfe ist bunt gemischt, der Altersdurchschnitt liegt bei 44 Jahren. Gleich ist bei allen die hohe Problembelastung, die Alkoholmissbrauch und Alkoholsucht unweigerlich mit sich ziehen: Gesundheitsgefährdung, soziale Isolierung und vor allem „die Not der Angehörigen“, betont BASS-Mitarbeiterin Veronika Balz.

Alkohol steigert auch das Unfallrisiko enorm. Schon ab 0,5 Promille Blutalkohol verdoppelt sich das Unfallrisiko, ab 0,9 Promille Blutalkohol setzen die alkoholisierten Menschen sich und ihre Umwelt einem zwölffachen Unfallrisiko aus. Vor allem junge Männer zwischen 21 und 25 Jahren setzen sich mit Alkohol im Blut hinters Steuer und verursachen Unfälle, oft am Wochenende nach einer Feier.

„Es gibt keinen Grund, dieses Verhalten zu verharmlosen“, betont Dominik Neugebauer. Das gelte auch für die Schützenfestsaison, obwohl im Vereinsbereich „ein Umdenken“ zu beobachten sei – Ergebnis vieler Gespräche mit Vorständen über Jugendschutz und Unfallrisiken.

Fahrrad statt Auto ist keine Alternative. Auch darauf weisen die Fachleute der Suchtkrankenhilfe hin. Alkohol ist die zweithäufigste Ursache bei Radlern. Betrunkene Radfahrer, die verunglücken, weisen durchschnittlich einen höheren Alkoholspiegel auf als Pkw-Fahrer in der gleichen Lage. Die Hälfte der alkoholisierten Radfahrenden, die an einem Unfall beteiligt waren, hatte mehr als 1,6 Promille im Blut. Bei derart hohen Werten ist der Führerschein in Gefahr.

Wenn jemand Alkohol getrunken hat und Auto fahren will, sind Verwandte und Freunde gefragt. „Sie sollten durch angemessene Mittel dazu beitragen, dass der alkoholisierte Freund oder Partner nicht mehr losfährt“, sagt Dominik Neugebauer. Sein Ratschlag: Eventuell den Autoschlüssel wegnehmen oder verstecken.

In der Pflicht sind auch Gastwirte. Sie sollten verhindern, dass ein fahruntüchtiger Fahrgast mit dem eigenen Fahrzeug nach Hause fährt. „Wenn gutes Zureden nicht hilft, können sie Verbündete unter ihren Gästen suchen und ein Taxi rufen. Gemeinsam ist es leichter, den betrunkenen Gast zu überzeugen“, rät Dominik Neugebauer. Auch die Mitarbeiter der Suchtkrankenhilfe wissen, dass niemand gerne in den Ruf gerät, eine „Spaßbremse“ zu sein, aber angesichts der Unfallstatistik zählt dieses Argument nicht. „Das ist einfach Zivilcourage gefragt“, sagt Veronika Balz, „hinsehen statt wegschauen.“