Selbsterfahrung in Sachen Demenz

Ganz schön anstrengend: Die Teilnehmer mühten sich redlich an den Stationen des Demenz-Parcours. Dennoch blieb der Frust nicht aus. Foto: Karl-Martin Flüter/Caritasverband Paderborn Demenz ist eine Krankheit, von der jeder gehört hat. Doch wie fühlen sich Menschen mit Demenz tatsächlich? Wer das weiß, kann besser mit ihnen im Alltag umgehen. Deshalb hatte die Paderborner Fachstelle Demenz zu einem „Demenz--Parcours“ eingeladen.

Am Anfang gibt Sabine Dziallas-Loick noch einen wichtigen Hinweis. „Lassen Sie sich Zeit“, sagt sie ihren Zuhörern. „Überfordern Sie sich nicht. Machen Sie eventuell eine Aufgabe weniger.“ Sabine Dziallas-Loick ist Mitarbeiterin der Fachstelle Demenz. Sie hat bereits mehrere Gruppen durch den „Demenz--Parcours“ begleitet. Deshalb weiß sie, dass die nächsten anderthalb Stunden für die Teilnehmer vor ihr durchaus zu einem Härtetest werden können.

Dabei sieht das alles doch eher harmlos aus. Der Parcours besteht aus neun Stationen: acht Holzkisten, die im Raum verteilt stehen, und ein Küchenkittel, der in der Ecke hängt.

In den Kisten steckt ein Spiegel, in dem sich, versteckt unter einem Holzdeckel, die jeweilige Aufgabe befindet. Der Probant kann seine Lösungsversuche nur über den Spiegel verfolgen, also seitenverkehrt. So geraten selbst die leichtesten Tätigkeiten zu nervenaufreibenden Fehlversuchen.

Ein kleines Plastikauto mit einem Stift über einen Straßenplan zu einem Ziel zu schieben, scheint beispielsweise schier unmöglich zu sein. Das Auto kommt mal rechts, dann wieder links von der Straße ab. Es gelingt nicht, in eine Straße abzufahren, auch das Straßenschild steht im Weg. Endlich am Ziel ist der Fahrer schweißgebadet. In der Realität würde er jetzt wohl einen Schrotthaufen steuern.

Der Haushaltskittel muss mit dicken Handwerkerhandschuhen zugeknöpft werden. Ist das geschafft, steht der Teilnehmer vor der Aufgabe, Bälle aufzufangen. Dabei blickt er allerdings durch eine Brille, die alles verzerrt. Ruckartige Bewegungen helfen nicht: Die meisten Bälle landen auf dem Boden.

Sabine Dziallas-Loick (2.v.l.) erklärt den Teilnehmern den Parcours und warnt:Es wird ganz schön schwierig werden. Foto: Karl-Martin Flüter/Caritasverband Paderborn Als dann auch noch Sabine Dziallas-Loick oder ihre Kollegin Irmhild Köhler heranschlendern und fürsorgliche Sätze sagen wie „Das ging doch letzte Woche noch gut“ oder „Das können Sie doch besser“ schlägt die einsetzende Resignation auch schon mal in Frustration und Ärger um – nach dem Motto: „Das hat mir jetzt auch noch gefehlt.“ Und schon ist klar, warum manche Menschen mit Demenz so schnell aggressiv werden.

Das alles macht den Parcours zu einer überzeugenden Selbsterfahrung in Sachen Demenz – eine Erfahrung, die pflegenden Angehörigen, aber auch Pflegeprofis weiterhelfen kann: Die Sicht von innen ist eben etwas ganz, ganz anderes als der Blick von außen.

 

Demenz-Parcours

Das Demenz-Servicezentrum OWL hat den Demenz-Parcours entwickelt. Anfang des kommenden Jahres soll der Selbsterfahrungstest in Paderborn wieder zum Einsatz kommen. Dann können Schulklassen, Gruppen und Unternehmen, aber auch interessierte Einzelpersonen teilnehmen. Anmeldungen sind schon möglich.

Tel.: 0 52 51/1 61 95 73 40; E-Mail: