Mobil bleiben trotz Demenz

Volle Pulle: Waltraud Stenzel trainiert mit dem Ball Koordination und Kraft. Franziska Knigge, FSJlerin im Haus St. Antonius, unterstützt sie dabei. Die Übung ist Teil des DESKK-Mobilisationsprogramms. In der Caritas-Einrichtung Haus St. Antonius in Paderborn ist ein demenzspezifisches Konzept entwickelt worden, das ab 2019 bundesweit eingesetzt werden kann. Noch befindet sich das Modellprojekt „DESKK“ in der Praxisphase. Doch die Gäste der Kurzzeitpflege im Haus St. Antonius können schon jetzt die Vorteile von DESKK nutzen.

Das „Demenzspezifische Kurzzeitpflegekonzept“ (DESKK) besteht aus einem speziellen Mobilitätsprogramm für Gäste der Kurzzeitpflege sowie einer intensiven Beratung der Angehörigen. „Wir sind eine auf Menschen mit Demenz spezialisierte und mit nur zehn Plätzen kleine Einrichtung, in der es gut möglich ist, diese Programminhalte in der Praxis zu erproben“, sagt Birgit Hasenbein, Leiterin des Zentrums für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen im Haus St. Antonius.

Die wissenschaftliche Begleitung leisten Mitarbeiter des „Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen“ (DZNE) in Witten. Nachdem im Haus St. Antonius die Idee für das Programm entwickelt worden war, konnte der Caritasverband das DZNE als Projektpartner gewinnen. Die Forschungseinrichtung erarbeitete die wissenschaftlichen Grundlagen für DESKK. Möglich ist das, weil die Stiftung Wohlfahrtspflege das Projekt im Rahmen des Programms „Pflege Inklusiv“ fördert.

Im vergangenen Herbst ist DESKK im Haus St. Antonius in die Erprobungsphase gegangen. Die Mitarbeiterinnen wurden für das Programm geschult und in den Räumen der Kurzzeitpflege entstand ein Bewegungsparcours, um Gleichgewichtsgefühl, Koordination oder körperliche Stärke zu trainieren.

Der Förderung der Mobilität dient auch eine intensiv aktivierende Pflege. Die Gäste werden unterstützt, ihre Fähigkeiten zu erhalten oder auszubauen. „Viele unserer Gäste kommen direkt aus dem Krankenhaus, sie sind in ihrer Beweglichkeit oft noch eingeschränkt“, sagt Sandra Schumacher, Leitung der Kurzzeitpflege. „Nach dem 12-tägigen DESKK-Training geht es vielen Teilnehmern deutlich besser. Das lässt sich anhand von Mobilitätstests belegen.“

Auch das DESKK-Beratungsprogramm für Angehörige erhält bereits jetzt viele positive Rückmeldungen. Während des Aufenthalts in der Kurzeitpflege führen die Mitarbeiterinnen ein Interview über die Situation der Gäste und der Angehörigen. Auf der Basis dieses Gesprächs folgt eine Beratung über den individuellen Krankheitsverlauf, die häusliche Situation sowie Hilfen und Unterstützungsangebote.

Alle Ergebnisse werden nach der Erprobungsphase im Sommer 2019 wissenschaftlich ausgewertet. Am Ende werden die Partner aus Paderborn und Witten ihren innovativen Versorgungsansatz als praxistaugliches Modell bundesweit für andere Kurzzeitpflegeeinrichtungen zur Verfügung stellen. Von der Bedeutung von DESKK ist Birgit Hasenbein schon jetzt überzeugt: „Dann wird Kurzzeitpflege einen noch wichtigeren Beitrag zur guten Versorgung von Menschen mit Demenz im häuslichen Umfeld leisten.“

 

Infoveranstaltung am 7. Februar

Eine Infoveranstaltung über die Kurzzeitpflege für Menschen mit Demenz und das Projekt DESSK findet am Mittwoch, 07. Februar, 18.00 Uhr, im Beratungszentrum des Hauses St. Antonius statt, Grünebaumstraße 1 (2. Etage). Kontakt: 05251-16195-7311