Ein Roboter kann Pflegende nicht ersetzen

Der Rapper Ferdi Cebi brachte mit seinem Song „Für die Pflege“ die Stimmung auf den Punkt. Ganz schön kess, wie sich die Pflegekräfte auf dem Rathausplatz in Paderborn präsentierten. „Pflege ist mehr als Poabwischen“ rief die Radio-Hochstift-Moderatorin Susanne Stork ihren mehr als 300 Zuhörern zu und erntete damit lautstarke Zustimmung. Zum Bild von der aufopferungsvollen „Schwester“, die brav, still und unerkannt Menschen pflegt, passen solche aufmüpfigen Ansagen nicht. Aber genau deshalb waren die Pflegekräfte von überall aus dem Kreis nach Paderborn gekommen. Sie wollten für ein anderes Image von ihrem Beruf werben: selbstbewusst, kompetent und natürlich sozial - aber nicht still und leise.

5 500 Menschen arbeiten kreisweit in der Pflege, doch der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern in Pflegediensten, Krankenhäusern und Altenheimen wächst ständig. Schon jetzt wird es immer schwieriger, Nachwuchs zu finden.

Dabei ist das Berufsbild der Pflege nicht mehr vergleichbar mit dem vor einigen Jahrzehnten. Pflege ist ein hochqualifizierter Beruf geworden. Nur leider hat sich das noch nicht in der Bevölkerung, vor allem in der jungen Generation herumgesprochen.

Deshalb hatte ein Arbeitskreis von Pflegekräften für den Tag der Pflege eine Kampagne entwickelt. Unter dem Titel „Wir geben Pflege ein Gesicht“ warben Auszubildende und langjährige Profis für ihren Job. Am Rathaus hing ein Banner mit vielen Fotos von Pflegenden aus dem Kreis Paderborn. Auch so wollten die Kundgebungsteilnehmer die Vielfalt ihres Berufs demonstrieren.

Moderatorin Susanne Stork verfolgte dieselbe Strategie. Sie interviewte Pflegekräfte über deren Arbeitsalltag. Pflege, so die übereinstimmenden Aussagen, ist ein ganz besonderer, sehr emotionaler Beruf – und zudem zukunftssicher.

Dafür weiß auch Landrat Manfred Müller. „Ein Roboter kann Pflegekräfte nicht ersetzen“, rief er den Zuhörern zu. Müller kennt die Gefahren des immer enger werdenden Arbeitsmarktes in Kreis Paderborn. Er wies auf die sich dramatisch verändernden demographischen Zahlen hin. Noch ist jeder sechste Mensch im Kreis Paderborn über 65, aber schon bald wird sich ein Viertel der Bevölkerung im Rentenalter befinden. Entsprechend wird der Pflegebedarf steigen: Mehr Pflegekräfte werden dringend gebraucht.

Der Rapper Ferdi Cebi feuerte die Stimmung zusätzlich an. Zuerst versetzte er die Teilnehmer in Partystimmung, bevor er auf den Punkt kam. Der Rapper ist im wahren Leben Altenpfleger. Er kann authentisch über das Thema singen – und mit seinem Stück „Für die Pflege“ sammelte er binnen Sekunden das Publikum hinter sich. Nur ein Wolkenbruch konnte die Partystimmung auf dem Rathausplatz beenden. Nass und erschöpft lagen sich die Teilnehmer danach in den Armen. Zumindest den Beweis, dass sie alles andere als langweilig sind, haben die Pflegenden aus dem Kreis Paderborn an diesem Tag der Pflege erbracht.