„Ich habe es schon erlebt, dass Leute sich vor mir versteckt haben“

Wertvolle Ratschläge für den Umgang mit Menschen mit Demenz; Rettungsassistent Raphael Jordan und Irmhild Köhler Raphel Jordan arbeitet seit acht Jahren im Rettungsdienst. In dieser Zeit hat er erlebt, wie die Zahl der dementen Patienten ständig zunahm. Für Rettungsassistenten wie ihn ist das problematisch. Ihre Aufgabe ist es, einen Einsatz rasch und sachgerecht durchzuführen. Wenn der erkrankte Mensch jedoch an Demenz leidet ist, wird genau das zum Problem. Demenzkranke Patienten können sich nicht anpassen. Zeitlicher Druck und Vorgaben haben oft das Gegenteil zur Folge: Dann geht überhaupt nichts mehr.

„Ein Mensch, der sich kaum orientieren und nicht einordnen kann, was um ihn herum geschieht, wird sich wehren, wenn ihn fremde Menschen abtransportieren wollen“, sagt die Lehrerin für Altenpflege, Irmhild Köhler. „Das ist nur normal.“ Die Caritas-Mitarbeiterin beschäftigt sich beruflich damit, wie Menschen mit Demenz die Welt wahrnehmen. Zusammen mit ihrer Kollegin, der Diplom-Pädagogin Sabine Dziallas-Loick, bietet sie Schulungen für Berufsgruppen an, die häufig mit demenzkranken Menschen zu tun haben.

„Wir sprechen vor allem Dienstleister an“, sagt Irmhild Köhler, „Bäckereifachverkäuferinnen, Fachverkäuferinnen für Bekleidung, Bankkaufleute, Apotheker, Physiotherapeuten oder Paketboten.“ Die Grundidee der Caritaskurse ist einfach: Wer mehr über Demenz weiß, verhält sich auch in alltäglichen Situationen anders gegenüber Demenzkranken. Oft reichen schon einige Verhaltensregeln, um die Kommunikation mit Betroffenen zu verbessern.

„Ich habe es schon erlebt, dass Leute sich vor mir versteckt haben“, erinnert sich der Rettungsassistent Raphael Jordan. Wenn es ganz schlecht läuft, müssen die Rettungskräfte wieder abziehen - oder darauf warten, dass ein Betreuer, das Ordnungsamt oder die Polizei kommt. Das gilt selbst dann, wenn es um eine akute Erkrankung wie einen Herzinfarkt geht.

Nach der Schulung weiß Raphael Jordan, wie er derart ausweglosen Situationen jetzt frühzeitig vermeiden kann. „Es kommt darauf an, wie die Leute angesprochen werden“, sagt er. „Es ist wichtig, Verständnis zu zeigen und nicht zu widersprechen.“ Auch wenn es zu verbalen Aggressionen kommt, lässt der Rettungsassistent das an sich vorbeigehen. Er weiß, dass sich sein Gegenüber bedrängt fühlt und aus diesem Gefühl heraus emotional reagiert.

„Nicht über den Menschen mit Demenz, sondern mit ihm reden. Das ist die Grundregel“, sagt Irmhild Köhler. Wenn das stärker berücksichtigt wird, könne die Gesellschaft insgesamt demenzfreundlicher werden. Wie notwendig das ist, erlebt Raphael Jordan immer wieder bei seinen Einsätzen: „Ältere Menschen, auch die Angehörigen von Menschen mit Demenz werden immer hilfloser. Ohne Verständnis und Unterstützung sind sie im Alltag verloren.“

 

Info

Das vom Land NRW geförderte Caritas-Projekt „Im Leben bleiben mit Demenz“ bietet Workshops, Vorträge und Schulungen an, um privat und beruflich Betroffene auf den Umgang mit Menschen mit Demenz vorzubereiten

Ansprechpartnerinnen: Sabine Dziallas-Loick und Irmhild Köhler
Tel.: 05251/161957340; E-Mail: